Intraaneurysmatische Druckverteilung nach endovaskulärer Therapie von Bauchaortenaneurysmen : Möglichkeiten der Endoleckdetektion mithilfe eines implantierbaren, telemetrischen Drucksensors

Aachen / Publikationsserver der RWTH Aachen University (2008) [Doktorarbeit]

Seite(n): 126 S. : Ill., graph. Darst.

Kurzfassung

Die 1991 erstmals publizierte endovaskuläre Ausschaltung von Bauchaortenaneurysmen erlangt mit ihrer geringen peri- und postoperativen Morbidität eine immer weiter zunehmende Akzeptanz unter den Therapieverfahren der elektiven Aneurysmaausschaltung. Als Komplikationen dieser Therapie ist vor allem das Auftreten verschiedener Formen von Endolecks zu nennen. Diese Komplikation kann zu der Notwendigkeit einer späteren Reintervention bzw. einer Konversion in eine offene gefäßchirurgische Operation führen. In der vorliegenden Studie wurde anhand eines pulsatilen in-vitro-Modells eines abdominalen Aortenaneurysmas der Einfluss von Endolecks auf den intraaneurysmatischen Druck untersucht. Dazu wurden verschiedene Endolecktypen, Endoleckgrößen und unterschiedliche Arten von Lumbalarterien in mehreren systemischen Druckbereichen simuliert und der intraaneurysmatische Druck mittels kabelgebundener und telemetrischer Drucksensoren an verschiedenen Stellen innerhalb des Aneurysmasackes gemessen. Es sollte dabei auch geklärt werden, ob Druckunterschiede im teilthrombosierten Aneurysmasack durch Kompartimentierung auftreten und ob es eine Vorzugslokalisation für die Druckmessung gibt. Die im Aneurysmasack an verschiedenen Positionen gemessenen intraaneurysmatischen Drücke wiesen in allen untersuchten Einstellungen keine klinisch relevanten Differenzen bezogen auf den zu messenden Druckanstieg nach Öffnung eines Endolecks auf. Dies galt sowohl für den nicht thrombosierten als auch für den thrombosierten Aneurysmasack. Im Falle eines erfolgreich ausgeschalteten Aneurysmas lag der intraaneurysmatische Druck bei mittlerem intraaortalen Systemdruck bei maximal 18,2 ± 0,8 mmHg und stieg auch nach Erhöhung des systemischen Druckes nicht weiter an. Die gemessenen intraaneurysmatischen Drücke oszillierten nur minimal um den jeweiligen Mitteldruck. Nach Öffnung eines Endolecks stieg der mittlere intraaneurysmatische Druck auf nahezu 100% des systemischen Druckes an, die Druckamplitude vergrößerte sich, lag jedoch noch deutlich unter der systemischen. Der gemessene Drucksprung war in allen untersuchten Einstellungen statistisch signifikant (p < 0,0001) und betrug selbst im niedrigsten systemischen Druckbereich etwa 75 mmHg. Dieser Drucksprung konnte problemlos detektiert und von anderen Störeinflüssen abgegrenzt werden. Die 3 verschiedenen, untersuchten Endoleckgrößen waren alle detektierbar, jedoch nicht voneinander unterscheidbar. Eine für den Fall des thrombosierten Aneurysmasackes zuvor vermutete ungleiche Druckverteilung konnte nicht nachgewiesen werden. Die wesentlichen Einstellungen der systematisch durchgeführten, rein kabelgebundenen Druckmessungen wurden exemplarisch wiederholt, um die Funktionsfähigkeit einer telemetrischen Druckmesskapsel testen zu können. Die neu entwickelte Druckmesskapsel wurde in den Aneurysmasack implantiert und die gemessenen Daten mit simultan erfassten, kabelgebundenen Referenzdrücken verglichen. Dabei zeigte sich, dass die telemetrische Druckmesskapsel ebenso in der Lage war, in allen untersuchten Einstellungen einen signifikanten Drucksprung (p < 0,0001) nachzuweisen. Die beobachteten Abweichungen zwischen den telemetrischen und kabelgebundenen Druckmessungen lagen sowohl im nicht thrombosierten als auch im thrombosierten Aneurysmasack in einem Bereich, der die beiden Methoden als gleichwertig ausweist. Mithilfe von kabelgebundenen Drucksensoren bzw. einer telemetrischen Druckmesskapsel lassen sich daher klinisch relevante Druckanstiege innerhalb eines endovaskulär ausgeschalteten Aneurysmasackes nach Auftreten eines Endolecks nachweisen und ein erfolgreiches Ausschalten des Aneurysmas verifizieren. Die Möglichkeit einer permanenten telemetrischen Kontrolle des intraaneurysmatischen Druckes könnte hilfreich sein, klinisch relevante Endolecks zu detektieren und anschließend notwendige Reinterventionen durchzuführen. Auf diese Weise könnte die Nachsorge kostengünstiger, patientenfreundlicher und mit einer geringeren Strahlenbelastung für den Patienten gestaltet werden.

Autorinnen und Autoren

Autorinnen und Autoren

Springer, Fabian

Gutachterinnen und Gutachter

Schmitz-Rode, Thomas

Identifikationsnummern

  • URN: urn:nbn:de:hbz:82-opus-24565
  • REPORT NUMBER: RWTH-CONV-112816